Ein kurzes Interview mit Irene Jacobsen über St Peters

Irene Jacobsen  

“Toil and Acchieve”, “Learn, Apply, Proceed”

(English version)

lyrx Publishing: Ein herzliches “Hallo” und willkommen bei lyrx Publishing, der Publikationsplatform für Jedermann und Alles! Bitte stelle dich kurz vor und erzähl einfach mal, wie es dazu gekommen ist, dass ihr ein Schulprojekt in Uganda unterstützt.

Hallo! Ich bin Irene. Ich habe 1995 mit einem Stipendium in Uganda als Ergotherapeutin in einem kleinen Dorf in Zentraluganda gearbeitet.

Wir sollten uns dort um Kinder mit Behinderung kümmern. Das Projekt war der dortigen Grundschule angegliedert. Die Lehrerinnen unterstützten uns sehr. Wir (Silke, eine andere Stipendiatin und ich) blieben in den folgenden Jahren in Kontakt und finanzierten ein paar Lehrerkindern die Universität. Einer davon war Ronald Mulondo. Er wurde Universitätsdozent und bildete Sekundarschullehrer aus. 2009 gewann er ein Stück Land in einem Radioquiz. Er startete seine Schule mit selbstgebrannten Ziegeln und einem Kredit.

Natürlich fragte er mich gleich zu Beginn um Hilfe, aber ich lehnte ab.

lyrx Publishing: St Peters, was ist das für eine Schule, wie finanziert sie sich und warum ist es so schwierig, ihre Existenz langfristig zu sichern?

Die Schule ist privat, das heißt in Uganda, dass sie zwar der staatlichen Aufsicht untersteht, aber keine staatlichen Mittel bekommt (auch nicht die Lehrergehälter). Das ist für Deutsche kaum nachzuvollziehen.

lyrx Publishing: Was ist eure persönliche Motivation bei alledem? Wie fühlt sich das an, wenn man sich jahrelang für ein Projekt einsetzt, das weit, weit von der eigenen Lebensrealität stattfindet und zu dem man kaum “hautnahen” Kontakt haben kann?

Vielleicht habe ich die Gabe, mich auch über große Distanzen hin sehr verbunden zu fühlen. Als ich 1995 neu in Uganda war, war ich zunächst sehr kulturgeschockt. Die Menschen, die mich aufgefangen haben, waren die Nachbarinnen und Kolleginnen im Dorf.

Wahrscheinlich war das auch eine Motivation für mich – etwas zurückgeben können.

Damals gab es nur Kontakt über Luftpostbriefe – mindestens zwei Wochen Zeitverzögerung! Heute können wir mailen und telefonieren, es fühlt sich also sehr nahe an.

Ich hatte nie vor, mich jahrelang für ein Projekt einzusetzen, ich habe immer nur das Nächstliegende getan. Ich empfinde die Lebensrealität als gar nicht so verschieden. Die menschlichen Grundthemen scheinen doch überall auf der Welt gleich (Geburt und Tod, Arbeit und Ruhe, Gesundheit und Krankheit, Liebe und Hass), die Kultur ist eher eine Art Dekoration.

Das Geben fühlt sich sehr gut an: Ich halte es für ein großes Privileg. Ich weiß, dass mein Geld einen Unterschied macht.

lyrx Publishing: Die evangelische Kirche ist ja auch involviert. Was genau ist deren Rolle, und wo sind dabei die Grenzen und die Möglichkeiten?

Der Landgewinn war 2009. Februar 2011 hat St. Peter’s offiziell eröffnet. Bis Ende 2012 war ich schon einigermaßen verzweifelt, wie ich das Ganze wieder vom Hals kriegen könnte. Alles lief mit einer Hand voll Freunde über ein privates Sparbuch von mir. Ab Mitte 2013 war meine Kirchengemeinde bereit, Spenden über ihr Konto laufen zu lassen, so dass man jetzt auch steuerlich absetzbar spenden konnte, eine riesige Verbesserung. Es fanden sich Unterstützer in der AG Uganda zusammen, Besuche fanden statt.

lyrx Publishing: Geld, das ihr mit Mühe “herangeschafft” habt, könnte ja auch mal in dunklen Kanälen verschwinden. Uganda ist weit weg, und ews gibt dort bestimmt eine ganz andere Kultur und Mentilität. Wie geht ihr mit so etwas um?

Ja, das ist wahrscheinlich (abgesehen von totaler Ignoranz) der größte Grund für Menschen, nicht zu spenden.

Ich selber habe jetzt seit mehr als 20 Jahren das, was ich habe, geteilt, und am Anfang habe ich mich oft gefragt: Was, wenn der Schüler das Geld für etwas anderes nutzt? was, wenn ich betrogen werde? Wie kann ich das wissen?

Ich musste immer zugeben: Ich konnte es nicht sicher wissen.

Ich habe es andersherum versucht: Würden die Freunde mich unterstützen, wenn es zufällig andersherum wäre (ich in einem Land, in dem selbst die klügsten Kinder nur Kleinbauern werden können?)

Ich habe kein Kind unterstützt, wenn die Antwort “nein” war.

Ich habe mich auch gefragt: Was würde ich denn stattdessen mit dem Geld machen?

Ich habe mich immer für das Risiko entschieden, weil das Konsumieren mir nicht einmal halb so sinnvoll erschien.

Bildung zu finanzieren ist immer ein Investment in die Zukunft.

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