Was bleibt in 2019 von der Blockchain?

Das Jahr 2018 ist vorüber, und in der Blockchain-Welt ist allgemein der Katzenjammer ausgebrochen. Die Kurse sind unten, die große Party, die Anfang 2018 noch im Gange war, ist vorüber.

Was ist übrig geblieben von all den Whitepapers, den ICOs und den ganzen Twitter-Gestürm?

Eine gewisse Nüchternheit ist womöglich zurück gekehrt. HODL war eben doch nicht allein selig machend.

Es ist nicht das erste Mal, dass man mit einer neuen Technologie ein Heilsversprechen verbunden war. Ich will hier keine Unkenrufe tätigen, aber schon als seinerzeit die radioaktive Strahlung entdeckt wurde, sprach man ihr zunächst heilsame Wirkung zu. Eine positive Energie musste wohl von ihr ausgehen. Marie Curie war nicht die Erste und nicht die Einzige, die den ungeschützten Umgang mit diesem Material mit dem Leben bezahlen musste.

Es gab eine Zeit, als man die Leuchtziffern von Weckern noch mit Radium bemalt. Man trug die Ziffern mit Pinseln auf. Das wurde von einfachen Arbeiterinnen erledigt. Nicht selten nahmen die die Pinselspitzen in den Mund, um sie zu befeuchten. Auf diese Weise gelangte das radioaktive Material in ihrer Körper. Es kam zu schrecklichen Krankheiten, zu einem unausweichichen Tod. Bei einigen lösten sich buchstäblich die Oberkiefer auf. Man wusste einfach nicht genug darüber. Die Arbeitgeber stritten alles ab. Es dauerte eine Weile, bis allgemein anerkannt war, dass Radioaktivität in Wahrheit eine gefährliche Sache war.

Aber das ist ein Exkurs. Mit Blockchain-Technologie hat das alles nicht zu tun, auch nicht mit deren Chancen und Risiken. Und doch … mit etwas Fantasie läst sich eine totalitäre Gesellschaft ausmalen, in der ein Netz aus Maschinen regiert: Die Maschine übernimmt die Kontrolle über die Wirtschaft. Eine künstliche Intelligenz kontrolliert das Bankenwesen. Wir sind sie endlich los, die widerlicheni Banker mit ihren windigen Versprechungen. Das Finanzsystem regiert ein P2P-Netzwerk. Menschliche Entscheidungen beschränken sich nur noch auf die weniger wichtigen Dinge. Ist es das, was wir wollen, wenn wir uns die Blockchain-Technologie herbeisehnen.

Verteilte Systeme, Dezentralisierung. Das sind die Schlagworte, die in 2018 noch nicht das halten konnten, was sie in 2017 versprachen.

Manches dauert eine Weile, bis es in den Mainstream hineingesickert ist. Z.B. die Cloud. Ich hatte dieses Jahr Gelegenheit, etwas näher zu betrachten, was Amazon aus dem Thema Cloud-Computing gemacht hat. Dort ist ein unverstellbar mächtiges Konstrukt aus Konfiguration und Kommunikation entstanden, welches nur noch von Experten verstanden, und von wenigen großen Konzernen beherrscht werden kann.

Die Cloud ist längst Realität geworden, und dennoch kümmert sich keiner mehr darum. Die Cloud hat keine Aufmerksamkeit mehr, weil der Hype darum längst abgestorben ist. Dabei hat die Cloud viel von ihrem Potential im Laufe der Zeit tatsächlich umgesetzt – um dabei erstaunlich unsichtbar zu werden. Heute steuert und beherrscht die Cloud wesentlichte Teile des Internet. Die Amazon Web Services haben in einem Ausmaß die Kontrolle übernommen, die selten themasiert wird. Nur wenigen ist es bewußt. Noch weniger kennen sich aus damit.

Die Blochchain-Technologie wird einen ähnlichen Weg gehen. Es wird still werden um sie. Und genau dann, wenn es richtig still sein wird, wenn keiner mehr hinhört, keiner mehr aufpasst, dann wird die Blockchain-Technologie eben doch ihr Potential entfalten. Vielleicht wird das nicht genau so aussehen, wie es vorausgesagt worden ist. Es wird den Heilsversprechen aus 2017 nicht gerecht werden.

Es wird dennoch eine stille Revolution geben. Die Blockchain-Technologie wird mit den anderen wichtigen Bereichen AI und IOT verschmelzen. Erst dadurch wird sie ihr Potential umsetzen können. – Und keiner wird davon Kenntnis nehmen. Kaum einer wird es bemerken, weil die Welt längst dem nächsten großen Hype hinterher jagen wird.

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